
Ein neues Shirt für fünf Euro, hippe Sneaker für unter Dreißig und wenn es dazu noch eine stylishe Jeans braucht, sollte das komplette Outfit im besten Fall im Low Budget Bereich liegen, denn
Geiz ist schließlich geil. Seitdem Mode immer billiger und vor allem schnelllebiger wird, dreht sich das Fast Fashion Karrussell in einem Rekordtempo. Unaufhörlich. Bis wir quasi am Rande des Klamotten Kollaps angelangt sind. Wie Ihr sicherlich wisst, bemängele ich das Problem unserer Konsumgesellschaft nicht erst seit gestern.
Genau genommen geht es mir inzwischen bereits seit ein paar Jahren gehörig gegen den Strich, dass wir in einem derartigen Überfluss leben. Natürlich sollten Dinge des Alltags & insbesondere
Kleidung nicht exorbitant teuer sein, wenn Stoffe jedoch
so billig produziert werden, dass sie im Endeffekt nur noch ein Problem darstellen, sträuben sich mir die Nackenhaare. Was ist denn aus diesem einen Must Have geworden, das man monatelang
jagt(e), um es dann über zig Seasons hinweg wie einen kostbaren Schatz zu hüten und voller Stolz immer & immer wieder zu präsentieren?
Kennt man überhaupt noch das Gefühl des Besonderen?
Ich glaube nicht. Vor allem seitdem es Fast Fashion Discounter wie Primark & Co. in Deutschland gibt, ist das Gefühl besonderer Mode abhanden gekommen. Hier zählt nicht primär Qualität,
sondern Quantität. Und diese Quantität entpuppt sich als handfestes Altkleider Ramschproblem. Während Second Hand & Vintage Mode früher ein unschlagbarer Trend waren, um den Lebenszyklus
eines Kleidungsstücks maßgeblich zu verlängern, stoßen sie in Fast Fashion Zeiten komplett an ihre Grenzen. Nicht nur, dass Kleidercontainer an allen Ecken und Enden aus ihren Nähten platzen:
Nein, auch das Thema Second Hand im Internet gestaltet sich immer schwieriger. Der Überfluss an bunten Stoffen in allen Formen ist so riesig,
dass man auch hier kaum noch eine Chance hat, die Lebenszeit des Ex-Lieblingsshirts würdevoll zu verlängern. Inzwischen müssen ausgebuffte Algorithmen dafür Sorge tragen, dieses unsägliche
Überangebot an Kleidung im Zaun zu halten. Wer hier nicht auf Zack ist und gewisse Tricks & Kniffe kennt, um wenigstens ansatzweise etwas Fashion
Detox betreiben zu können, versagt gnadenlos. Und was ist das Ende dieser Kette? Die Kleidung landet schneller im Müll als bei irgendeiner Sammelstelle, das Drama der Überlastung nimmt
seinen Lauf…
Glücklicherweise zeichnet sich endlich ein Licht am Ende des Tunnels ab: Wie mir zu Ohren kam, soll sich das Fast Fashion Konzept auf dem
absteigenden Ast befinden, weshalb Klamottendealer wie
Primark bereits einige Filialen in Deutschland schließen mussten. Genau genommen schwächelt der irische Moderiese schon seit 2019. Konnte zuletzt nur noch durch Neueröffnungen mit
schwarzen Zahlen punkten. Sowohl der Onlinehandel als auch das Umdenken gewisser Klientel machen Modeketten dieser Art zu schaffen und dass wir nun auch noch mit explodierenden Rohstoffpreisen zu
kämpfen haben, dürfte dem Ganzen die Krone aufsetzen. Auch wenn ich diesen Modegeschäften nichts Böses möchte, bin ich schon ein Stück weit froh darüber, dass unser stationärer Handel und
insbesondere kleinere Boutiquen endlich einmal wieder die Chance bekommen, sich gegen einen Riesen wie Primark & den damit verbundenen Hype durchzusetzen.
Faire Bedingungen sowie die Liebe zum Detail sind mir – ehrlich gesagt – wichtiger als jede Woche ein neues Fashion Goodie. Also nehmt es mir bitte auch nicht übel, wenn Ihr hier auf dem Blog
auch nach Jahren noch das ein oder andere Teil entdeckt, welches ich zum X-ten Mal trage. Es ist diese Besonderheit, die mich dann nicht mehr loslässt 😉