
Sorry für diesen etwas polarisierenden Titel heute, doch anders kann man das – was mir persönlich schon seit Monaten auf der Seele brennt – nicht beschreiben. Ich würde nicht unbedingt behaupten,
dass ich eine Ökotante bin, die nur in
Naturfasern á la Jute herumrennt. Doch gehörte es für mich schon immer zum guten Ton, mir Gedanken über die Zusammensetzung meiner Klamotten
zu machen. In letzter Zeit jedoch kommt es immer häufiger vor, dass man sich kaum mehr etwas wirklich Gutes leisten kann, weil der Großteil der Hersteller einem nur noch Bullshit anbietet. In
Zeiten von bewusst gesteuertem Umweltschutz & Fridays For Future sollte man annehmen, dass gerade beim Erwerb dessen, was tagtäglich am Körper getragen wird, ein Mindestmaß an Vernunft herrscht, doch weit gefehlt. Aus Fair Fashion wird wieder vermehrt Fast Fashion. Schaut man
sich nämlich das Sortiment hiesiger Onlineshops oder Kataloghäuser an, hat man in Sachen ökonomischer Herstellung nach wie vor nichts begriffen. Von Discountläden wie etwa Primark ganz zu
schweigen. Wobei ich allerdings fairerweise dazu sagen muss, dass der Preis in diesem speziellen Fall nicht ausschließlich die Qualität der Stoffe
widerspiegelt.
Im Gegenteil:
Mittlerweile gehört es scheinbar durch die Bank weg zum guten Ton, den Verbraucher mit qualitativ schlechten Stoffen beziehungsweise Zusammensetzungen zu drangsalieren. Ob das entsprechende Teil nun 10€ kostet oder 210€ spielt hierbei überhaupt keine Rolle. Hauptsache mehr, mehr, mehr & vor allem immer
schneller. Unsere Gesellschaft ist inzwischen derart weit von wirklich guter Mode entfernt, wie die meisten Klima Enthusiasten von einem reinen Gewissen. Mir
kann niemand erzählen, dass man sich wohl dabei fühlt, für ein besseres Klima & gegen übermäßige Plastikansammlungen der Weltmeere zu hüpfen, wenn man im Gegenzug Klamotten aus Polyacryl trägt. Oder
man sich ganz trendy Elektrofahrzeuge zulegt, während in afrikanischen Bergwerken kleine Kinderhände Kobalt für Akkus abbauen. Man sollte auch die Kehrseite der Medaille betrachten. Wobei es mir im heutigen Post in Sachen Nachhaltigkeit ausschließlich auf die
Qualität der Stoffe ankommt.
Nicht jede Kunstfaser ist schlecht
Versteht mich bitte nicht falsch: Nicht jede Kunstfaser empfinde ich als abgrundtief schlecht. Gerade bei reinen Naturstoffen kann ein Anteil von Kunstfasern das Gesamtbild maßgeblich verbessern. Trotzdem sind es vor allem Fake Fasern wie
eben Polyacryl die meine Hasskappe bis zum Anschlag anschwellen lassen. Seit geraumer Zeit ist es nämlich kaum noch möglich, wirklich adäquate
Zusammensetzungen zu finden. Wenn ich beispielsweise heutzutage auf der Suche nach neuer Kleidung für Herbst & Winter bin, vergehen locker 3-4 Stunden. Einfach, weil es (wie gesagt) kaum noch
möglich ist, etwas wirklich Gutes zu finden. Neulich war ich auf der Suche nach einem Cardigan Ersatz für meinen in die Jahre gekommenen Norweger. So sehr ich mich auch bemühte, war unmöglich etwas OHNE Polyacryl zu finden. Für diejenigen unter Euch,
die tatsächlich nicht wissen, was Polyacryl bedeutet: Das ist das Zeug, welches beim Drüberfahren knistert. Oder was frisch gestylte Haare schlimmer als Einsteins Friese aussehen lässt. So als
hätte man geradewegs in die Steckdose gefasst. Polyacryl ist für mich persönlich der modische
Supergau. Und nicht nur das: Wie kann man lautstark etwas für die Umwelt tun wollen, aber dann nicht einmal auf die simpelsten Dinge achten? Ich verstehe es einfach nicht, das übersteigt meinen
Horizont.
Solange es immer noch genug Menschen gibt, denen es vollkommen egal ist, in welch guten oder schlechten Stoffen sie herumlaufen, solange werden die Hersteller auch weiterhin schlechtere Zusammensetzungen produzieren. Ein Umstand, den ich massiv kritisiere & der mir gewaltig gegen den Strich geht. Es ist derart schwierig
geworden, wirklich gute Qualitäten zu finden, dass ich mir einen Gang in die Stadt zum Bummeln mittlerweile erspare. Wer bitte hat denn Zeit, jedes Teil erst einmal von oben bis unten zu
analysieren?! Ich lege großen Wert auf Naturfasern wie Baumwolle oder Kaschmir, trotzdem gibt es auch Kunstfasern die einen angenehmen Tragekomfort ermöglichen. Ich möchte Euch um Gottes Willen jetzt keine Belehrung zu den einzelnen Stoffen bieten, dafür gibt es andere (wirklich
gute) Lektüren, aber ich möchte trotzdem darauf aufmerksam machen, dass in Zeiten von Fast Fashion den Herstellern unser Geld nichts mehr Wert ist. Quantität vor Qualität scheint das
vollumfängliche Credo zu sein und das ist traurig.
YOOX Onlineshop: Mit Konfigurator Funktion
Ausführliche Suchen bieten die meisten Onlineshops. Meine allerliebste Anlaufstelle ist jedoch seit Jahren das italienische Designer Outlet YOOX. Nicht nur,
weil man hier wirklich außergewöhnliche Klamotten zu guten Preisen bekommt, sondern vor allem, weil ich Dank ausführlicher Konfigurator
Funktion die Möglichkeit habe, Kleidung nach Zusammensetzung sortieren zu lassen. Wie geil ist das denn bitte? Wenn ich jetzt also bspw. nach Pullover von Diesel suche, kann ich mir nebenbei anzeigen lassen, welche
zu 100% aus Baumwolle bestehen. Das finde ich großartig, denn das erleichtert die Suche ungemein & sorgt nebenbei nicht für ungewollten Plastikfrust aka Polyacryl. Urgs! So habe ich nämlich
im Übrigen auch dieses hübsche Sweatshirt von Zoe Karssen im kuscheligen Samtlook gefunden…
In diesem Sinne
Kisses Ihr Lieben 😉
Lektüre || Gute Stoffe erkennen